Führungsgrundsätze

Teil 6 der Reihe “Führungskompetenz im Mittelstand”

Von Dr. oec. habil. Jörg Schumann; Ausgabe 6/2007 P.T. Magazin

“Wie steht es um die Balance zwischen Ihrem Privat- und Arbeitsleben?“, fragte ich kürzlich einen gestandenen Mittelständler. Er antwortete mir freimütig: „Wissen Sie, wir alle leben mit Balancen: Gesund – krank, ein Bier – kein Bier, leben – arbeiten usw. Die eine Balance ist in Takt, die andere weniger. Das ist völlig normal. Wenn Sie als Firmenchef die alleinige Verantwortung für das Unternehmen tragen und dafür all Ihre Zeit und Energie einsetzen, dann bleibt kaum Freiraum für ein Privatleben, dann ist das Büro oft näher als das Ehebett“.
Seine Offenheit verblüffte mich. Der Wink des Ehepartners mit dem Zaunpfahl „Heirat´ doch dein Büro“ lässt grüßen. Ob er daran etwas ändern wolle, fragte ich nach. „Ja schon, aber wie?“ Meine Antwort passte auf einen Bierdeckel:

Führungsgrundsätze
(1) Sie (und Ihre Familie) müssen gesund bleiben. Auftanken ist ab und an Pflicht. Den Freiraum dafür erzielen Sie, indem sich aus dem laufenden (!) Tagesgeschäft schrittweise heraus nehmen und Ihre Aufmerksamkeit mehr auf das Gestalten der Zukunft Ihres Unternehmens und Ihr Privatleben richten.

(2) Sorgen Sie im „Innen“ Ihres Unternehmens dafür, dass die Strukturen in Ihrem Sinne funktionieren, die Prozesse ohne Ihre direkte Einflussnahme ablaufen und die Denk- und Handlungsmuster der Mitarbeiter mit Ihrem Führungsstil korrespondieren.

(3) Konzentrieren Sie sich im „Außen“ primär auf die Kunden. Widmen Sie deren Bedürfnissen und Wünschen mehr Aufmerksamkeit. Bieten Sie ihnen mehr Nutzwert als ihre Wettbewerber.

(4) Vertreten Sie Ihre „Innen-/Außen“-Sicht standhaft. Bringen Sie Ihren persönlichen Einfluss verantwortungsbewusst ein. Lassen Sie Mitwirkungswünsche „von unten“ zu.

(5) Machen Sie sich klar, welchen Wert Sie ganz persönlich mittels Ihrer Arbeit für das Unternehmen schaffen, der nicht von Ihren Mitarbeitern erbracht werden kann. Das ist Ihr individuellerMehrwertanteil.

(6) Geben Sie Ihren Mitarbeitern deren unerledigte Arbeit zurück. Hängen Sie sich nicht in alles hinein.
Ob der Chef den Bierdeckel noch hat? Wer weiß! Jedenfalls fragte er mich einen Monat später nach den Methoden und Instrumenten zum Umsetzen der Führungsgrundsätze. Lesen Sie dazu den 7. Beitrag.

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