INTERVIEW: Führungswechsel. Und wie weiter?

Teil 23 der Reihe „Führungskompetenz im Mittelstand“
von Dr. oec. habil. Jörg Schumann

Am Jahresende 2010 brachte der Unternehmensberater Dr. oec. habil. Jörg Schumann zwei neue Produkte auf den Markt: das Buch „Führungswechsel“ (BoD-Verlag) und den Workshop „Führen von der Zukunft her“. Mit beiden Produkten wendet sich der Autor an jene Entscheidungs- und Verantwortungsträger im unternehmerischen Mittelstand, welche die Herausforderung meistern wollen, „ihre Unternehmen in eine erstrebenswerte Zukunft zu führen“ (Zitat: Schumann).

P.T. Magazin: Herr Dr. Schumann, was genau meinen Sie mit einer „erstrebenswerten Zukunft“?

Schumann: Ich denke, eine Unternehmenszukunft ist dann als erstrebenswert zu bezeichnen, wenn sie aus Sicht des/der Entscheidungs- und Verantwortungsträger(s) des Unternehmens vorstellbar und wünschenswert (= Vision) sowie in eigener Regie gestaltbar ist (= Verwirklichen der Vision).

Das klingt recht anspruchsvoll. Doch, welche Führungsprobleme verbergen sich dahinter?

Nun, die Entscheidungs- und Verantwortungsträger im unternehmerischen Mittelstand sind sich ja wohl weitgehend darüber einig, dass sie – über das Managen des Tagesgeschäfts hinaus gehend –, gefordert und verpflichtet sind, die Zukunftsfähigkeit ihrer Unternehmen zu erhalten bzw. zu gestalten. Das Ziel „Zukunftsfähigkeit“ erscheint mir somit unstrittig. Als strittig sehe ich die Mittel zur Zielerreichung an. Hierzu mein Führungsverständnis: Ich erreiche das Ziel „Zukunftsfähigkeit“ wohl dann am ehesten, wenn ich das Unternehmen von der Zukunft her führe –, also mit einer gedanklichen Vorwegnahme einer erstrebenswerten Zukunft beginne und dieses Zukunftsbild letztlich im operativen Tagesgeschäft verwirkliche. Und genau hier – beim Entwickeln der Vision und deren Umsetzen im Tagesgeschäft –, mangelt es den Führungskräften oft an handhabbarem Wie (Methoden) und Womit (Instrumentarien).

Über welches Wie und Womit sprechen Sie konkret?

Ich spreche über das zukunftsorientierte Führungs-Know-how, also über die Fähigkeit, (1) eine erstrebenswerte Unternehmenszukunft zu entwerfen, d. h. sie gedanklich vorwegzunehmen (= Vision, Ziele), die Art und Weise der Zielerreichung zu bestimmen (= Strategie, Business Model) und die im Unternehmen zu lebenden Werte und Verhaltensmuster zu definieren (= Leitbild) sowie (2) den Zukunftsentwurf im Tagesgeschäft umzusetzen, d. h. das Erreichen der Unternehmensziele mittels innovativer Leistungskennzahlen zu messen, zu bewerten und zielführend zu steuern.

Und dafür bieten Sie die „richtigen“ Handlungsempfehlungen an, also eine Art „Heilslehre“?

Nein, „Heilslehre“ keinesfalls. Doch: Orientierungen und Handlungsempfehlungen biete ich schon –, und das besonders mit Blick auf zwei Aspekte eines Führungswechsels, die beim Beantworten der Frage nach dem „Wie weiter, Unternehmensführung?“ höchst attraktive Gestaltungsfreiräume umreißen. Ich sehe hier einerseits den personellen Wechsel an der Führungsspitze eines Unternehmens, wie er z. B. bei einer Stabübergabe an einen Nachfolger oder an eine Nachfolgerin gegeben ist. Hier steht die Frage, ob der/die Nachfolger(in) einfach nur „nachfolgen“ will oder ob er/sie die Chance nutzt, um selbst zu gestalten und bei Bedarf zu erneuern. Und andererseits erkenne ich bei einer personell gleichbleibenden Führungsspitze zunehmend das Erfordernis, das Unternehmen strategisch neu auszurichten, z. B. infolge sich verschärfender Wettbewerbsbedingungen. Klar, dass ein personeller Wechsel an der Führungsspitze oft von einem Strategiewechsel begleitet wird.

Wie kommen Sie denn mit Ihrem Wie und Womit an die Chefs heran?

Ja, das ist nicht ganz einfach –, geht es doch immer um individuelle Problemlösungen. Und genau hier muss „die Chemie“ stimmen! Die meisten Unternehmer akzeptieren nun mal keine „Berater“, die in der Gestalt eines allwissenden Oberlehrers daherkommen. Und noch so gehaltvolle Lehrsätze sind ohne jeglichen Nutzwert, wenn sie von den Chefs nicht verstanden, ergo nicht verinnerlicht und folglich nicht gelebt werden können. Ich denke, dass zur Zukunftsgestaltung mittelständischer Unternehmen eine neue Qualität „Berater“ gefragt ist –, ein (Führungs)„Coach“ (s. Trainer im Leistungssport), der sich durch hohe emotionale Kompetenz auszeichnet und darüber hinaus die Fähigkeit einbringt, als Sparringspartner auf Augenhöhe mit den Entscheidungs- und Verantwortungsträgern zusammenzuarbeiten, um Kundenprobleme zu erkennen und zugeschnittene Problemlösungen zu entwickeln sowie deren ertragreiches Verwerten in den Unternehmen zu begleiten.

Herr Dr. Schumann, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview wurde im P.T. Magazin veröffentlicht.

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