Klartext: Führen heißt loslassen

Teil 5 der Reihe “Führungskompetenz im Mittelstand”

Von Dr. oec. habil. Jörg Schumann; Ausgabe 5/2007 P.T. Magazin

Er ist mir noch gut im Ohr, der Stoßseufzer eines gestressten Firmeninhabers: “Wie soll ich denn das alles nur schaffen? Das Tagesgeschäft managen. Und auch noch das Unternehmen in die Zukunftführen. Ich arbeite ja schon fast am Zeitlimit „24*7*365“. Und Zeit für meine Familie finde ich auch kaum noch. So kann das nicht weitergehen!“ Meinen Vorschlag, er solle sich aus dem laufenden Tagesgeschäft schrittweise heraus nehmen, lehnte er rundweg ab. Er hielt sich für unentbehrlich, hatte Angst vor einem Kontrollverlust in seinem „Imperium“.

„Machen Sie doch mal wieder Urlaub …

Abschalten, Auftanken, eine Auszeit nehmen: Drei Wochen auf Hajiji, mit Familie -, das wär´s doch!“ – so mein Überzeugungsansatz. „Klingt ja ganz gut, aber …“ Die Sorge um das Wohl seiner Firma kam durch. Also Nachfassen meinerseits: „Was würden Sie denn tun, um sich für die Zeit Ihres Urlaubs (engl.: be on vacation) entbehrlich zu machen? Wie könnten Sie sichern, dass Ihr Business in dieser Zeit in Ihrem Sinne weiterläuft?“

Management by Vacation

Auf meine Fragen hatte der Chef sofort eine Antwort parat: Seinem Typ entsprechend, dachte er an Kontrollprozeduren -, einen Tagesrapport per Handy eingeschlossen. Sein Ego braucht das: Er wird angerufen. Er ist wichtig. Er lebt beim Klingelton auf -, auch in der Badehose. Loslassen fällt ihm schwer.
Ob er sich noch einen anderen Ansatz eines „Selbstläufer“-Business´ für die Urlaubszeit, also einManagement by Vacation (s. Rook, C.: Master Thesis, Graduate School of Management, Leipzig 2006), vorstellen könne, verneinte er. Das brachte mich in Vorhand:

Meine Vision
„Schaffen und führen Sie ein Unternehmen, dessen Führungskräfte und Mitarbeiter die Fähigkeit besitzen, das operative Tagesgeschäft – sofern und solange es läuft (!) – ohne Ihr direktes Einwirken erfolgreich durchzuführen. Die frei werdende Zeit und Energie können Sie für die ZukunftsgestaltungIhres Unternehmens und für Ihr Privatleben nutzen“.
Die Kunde hör´ ich wohl, … -, schien der Firmenchef zu denken. „Wie soll denn das gehen?“ fragte der dennoch. Meine Antwort können Sie im 6. Beitrag lesen: Führungsgrundsätze.

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